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Wie Walter Rodney den Marxismus weiterentwickelte

Der guyanische Historiker zeigte auf, welchen Anteil die Dritte Welt an der Entstehung des Kapitalismus hatte – und welchen der Kapitalismus an der Verelendung der Dritten Welt.

Wie Walter Rodney den Marxismus weiterentwickelte
»Der Marxismus überzeugte Rodney nicht nur als Theorie. Es waren vielmehr auch die realen Erfahrungen erfolgreicher antikolonialer Befreiung durch sozialistische Bewegungen, die ihn inspirierten.«Collage: Andy King
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2007 hielt der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy auf seiner Afrikareise eine Rede vor den Studierenden der Universität von Dakar. Darin sagte er: »Die Tragödie Afrikas ist, dass der Afrikaner noch nicht in die Geschichte eingetreten ist.« Diese Vorstellung eines Afrikas ohne historische Entwicklung und ohne eigenen Beitrag zur Weltgeschichte lässt sich schon bei Hegel finden. Bei ihm wandert der Weltgeist von Osten nach Westen und lässt Afrika links liegen. Das moderne Afrikabild im Westen unterscheidet sich davon nicht wesentlich. Es ist auch dasselbe Bild, das den Rassismus gegen afrikanische Menschen charakterisiert: kindlich und unfähig zu intellektueller Leistung.

Unter politisch interessierten Afrikanerinnen und Afrikanern ist Walter Rodneys 1972 erschienenes Buch Wie Europa Afrika unterentwickelte deshalb ein Standardwerk. Rodney ging es darum, zu beweisen, dass die Unterentwicklung Afrikas nicht Ergebnis einer natürlichen oder kulturellen Minderwertigkeit der afrikanischen Bevölkerung war, sondern ein Resultat des Kapitalismus, der in Europa entstanden war. Auch wollte er mit seinem Buch Schwarzen Menschen dabei helfen, sich ideologisch selbstzuermächtigen.

Rassismus als begleitende Ideologie des Kolonialismus hatte neben den ökonomischen und politischen Effekten auch auf das Selbstbewusstsein der Schwarzen Bevölkerung einen negativen Einfluss. Nicht zuletzt Frantz Fanon verwies auf die psychologischen Effekte des Kolonialismus und untersuchte während des Algerienkriegs den Minderwertigkeitskomplex, an dem Schwarze infolge einer rassistischen Klassengesellschaft litten.

Der revolutionäre Intellektuelle

Walter Rodney wurde in Georgetown, Guyana in eine Arbeiterfamilie geboren. Sein Studium nahm er zunächst in Jamaika an der University of the West Indies auf. Dabei setzte er sich schon früh mit der Russischen Revolution und insbesondere mit Lenin als politischer Figur auseinander und entwickelte die Vorstellung eines revolutionärenIntellektuellen, die ein Leitbild in seiner Arbeit werden sollte. Die Kubanische Revolution, die weniger als 200 Kilometer von ihm entfernt stattfand und glückte, erfuhr Rodney als Moment politischer Ermächtigung. Der Marxismus überzeugte ihn nicht nur als Theorie. Es waren vielmehr auch die realen Erfahrungen erfolgreicher antikolonialer Befreiung durch sozialistische Bewegungen, die ihn inspirierten.

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Rodney studierte die Geschichte der Karibik, wobei ihn vor allem Eric Williams’ Capitalism and Slavery und C.L.R. James’ Die Schwarzen Jakobiner stark beeinflussten. Später schrieb er über diese Bücher, dass ihre besondere Qualität vor allem durch ihre marxistische Machart zustande kam. Während seiner Studienzeit in London lernte er James persönlich kennen und vertiefte in dessen Studienzirkel seine eigene Kenntnis der marxistischen Methodologie.

»Schwarz zu sein, ist nicht unbedingt an Hautfarbe oder afrikanische Abstammung gekoppelt, sondern an die Erfahrung, rassistisch unterdrückt und entmachtet zu werden.«

Der Kolonialismus und der transatlantische Sklavenhandel gehörten zu den wichtigsten Grundlagen des Kapitalismus, denn nur durch das enteignete Land und die durch Sklavenarbeit produzierten Waren konnte das europäische Kapital in dieser Form entstehen. In der Karibik – die man als westindische Inseln bezeichnete, weil Columbus fälschlicherweise dachte, er sei in Indien angekommen – kristallisierte sich dies wie an kaum einem anderen Ort. Die kapitalistisch kommerzialisierte Plantagensklaverei, die Ausrottung der indigenen Bevölkerung und die Migration von Arbeitskräften aus anderen Kolonien sowie die Präsenz einer europäischen herrschenden Klasse machen die einzigartige Bevölkerung der karibischen Inseln aus.

In der Karibik waren nicht nur alle Hauptmomente der modernen Sklaverei versammelt, auch bildete sie ein Zentrum des Widerstands dagegen. Die Haitianische Revolution war nicht nur die erste und einzige erfolgreiche Sklavenrevolution in der Geschichte, sondern globalisierte auch die Forderung nach Menschenrechten, die Europäer vorher vor allem sich selbst vorbehalten hatten.

Black Power in der Karibik

Als Rodney für einen Lehrauftrag nach Jamaika zurückkehrte, nahm er nicht nur seine akademische Arbeit auf, sondern involvierte sich auch in die dort aktive Black-Power-Bewegung. Sein erstes Buch Groundings with my Brothers versammelt seine Vorträge und Diskussionen aus dieser Zeit. Black Power propagierte in den 1960er Jahren ein neues Schwarzes Selbstbewusstsein. Innerhalb dieser transnationalen Bewegung gab es – auch aufgrund der unterschiedlichen nationalen Kontexte – verschiedene und teilweise widersprüchliche Begriffe davon, was Schwarzsein genau bedeutete. Rodneys Verständnis war ein politisches: Schwarz zu sein, ist demnach nicht unbedingt an Hautfarbe oder afrikanische Abstammung gekoppelt, sondern an die Erfahrung, rassistisch unterdrückt und entmachtet zu werden.

Entsprechend war die Black-Power-Bewegung durch eine besondere Klassenerfahrung der rassistischen Unterdrückung charakterisiert. In der Karibik war die Klassentrennung offensichtlich. So bestand etwa die Arbeiterklasse Guyanas fast vollständig aus Menschen afrikanischer und indischer Abstammung. Black Power war für Rodney in diesem Zusammenhang ein politisches Projekt, in dem die ausgebeuteten und unterdrückten Teile der Bevölkerung für ein Recht auf Selbstbestimmung kämpften. Er begriff Theorie und Bildung nicht als Topdown-Aktivität, sondern diskutierte mit verschiedenen Schwarzen Gruppen in Jamaika wie den Rastafari über ihre Auffassung von Black Power und setzte dieser sein vom Marxismus geprägtes Verständnis entgegen.

Zu dieser Zeit wuchs Rodneys panafrikanisches Bewusstsein. Der Panafrikanismus ist eine politische Bewegung, die im weitesten Sinne beansprucht, Afrika zu vereinigen und zu befreien. Er weist unterschiedliche Flügel und Strömungen auf, aber war im Unterschied zu anderen Pan-Nationalistischen Bewegungen nie ein Herrschaftsprojekt, sondern eine Antwort auf die Verschleppung und Versklavung afrikanischer Menschen und die koloniale Teilung Afrikas unter den Kolonialmächten Europas. Heute steht die Afrikanische Union (AU) in der Tradition dieser Bewegung – sie entspricht allerdings nicht dem, was der linke Flügel des Panafrikanismus wollte, nämlich ein vereintes sozialistisches Afrika.

»Unterentwicklung beschreibt nicht einen Zustand, bei dem keinerlei menschliche Entwicklung stattfindet, sondern Entwicklung und Unterentwicklung im Kapitalismus bedingen sich gegenseitig.«

Rodney wollte den afrikanischen Kontinent auch moralisch aufwerten und begann seine Studien zur vorkolonialen Geschichte Afrikas als eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Gegen Ende seines Lebens verfasste er auch Kinderbücher, die Schwarzen Kindern die Möglichkeit geben sollten, mit positiven Identifikationsfiguren aufzuwachsen. Zeit seines Lebens hielt er trotz seiner wissenschaftlich anspruchsvollen Arbeit immer eine kritische Distanz zu akademischen Institutionen.

Seine Volksnähe machte ihn in Jamaika schnell sehr einflussreich, was der jamaikanischen Regierung allerdings zuwider war. Als er 1968 von einem Auslandsaufenthalt zurückkehren wollte, hinderte sie ihn an der Wiedereinreise. In Reaktion darauf brachen in der Hauptstadt Kingston die Rodney Riots aus, die als die zentralen Straßenproteste der 68er-Bewegung in Jamaika gelten.

Marxismus geht immer

Nachdem Rodney aus Jamaika verbannt wurde, zog er ins jüngst dekolonisierte Tansania, das unter dem Präsidenten Julius Nyerere als das Mekka der afrikanischen Befreiung galt. Der Aufenthalt in Afrika bewegte ihn dazu, sich auch mit den ökonomischen Fragen vor Ort zu befassen. Wie Europa Afrika unterentwickelte ist das Ergebnis dieser Studien.

In dem Buch zeichnet er zunächst allgemein die menschliche Entwicklung nach, wie sie in den unterschiedlichen Weltteilen stattfand. Danach widmet er sich konkret dem Beitrag Afrikas und der Dritten Welt zur Entstehung des Kapitals in Europa. Unterentwicklung beschreibt demnach nicht einen Zustand, bei dem keinerlei menschliche Entwicklung stattfindet, sondern Entwicklung und Unterentwicklung im Kapitalismus bedingen sich gegenseitig. Das ist auch der Grund, wieso er von »unterentwickelten Ländern« und nicht von »Entwicklungsländern« spricht, wie es sich heute durchgesetzt hat. Der letztere Ausdruck unterstellt nämlich, dass eine nachholende Entwicklung unabhängig oder parallel zur Kapitalakkumulation in den entwickelten Ländern stattfinden würde, während sich in Wirklichkeit die ökonomische Unterentwicklung weiter vertieft.

Für Rodney hatten Marx und Engels eine universelle Methode entdeckt, die sich unabhängig von Zeit und Ort überall da anwenden lässt, wo menschliche Gesellschaften existieren. Die Aufgabe von Marxistinnen und Marxisten aus der Dritten Welt sah er vor allem darin, die marxistische Theorie weiterzuentwickeln, indem sie sie auf unterschiedliche Kontexte anwandten. Dass Rodney und viele andere in der Dritten Welt den Marxismus nicht als eurozentrisch ansahen, liegt sicherlich an Lenin. Insbesondere dessen Werk Der Imperialismus, das höchste Stadium des Kapitalismus bot die theoretische Grundlage, um den Kapitalismus als globales System der ungleichen Ausbeutung zu verstehen.

Die Russische Revolution war für Rodney ein wichtiger Anhaltspunkt, um Fragen der Revolution in Afrika zu klären, denn auch da hatte sich eine sozialistische Revolution in einem noch nicht industrialisierten Land vollzogen. Ob der Marxismus eurozentrisch sei, war für Rodney keine theoretische Frage, sondern eine praktische – und dass er es nicht war, bewies seine praktische Umsetzung 1917 in Russland.

Gegen Topdown-Sozialismus

Aus seiner Zeit in Tansania und der Erfahrung des afrikanischen Sozialismus zog Rodney auch theoretische Schlüsse. »Afrikanischer Sozialismus« nannten sich unterschiedliche Projekte in Afrika nach der Dekolonisierung, die sich an einem dritten Weg jenseits des Kapitalismus und des Marxismus versuchten. Zwar wahrte Rodney ideologisch eine gewisse Distanz zu diesen Projekten, da er weiterhin den Marxismus vertrat, jedoch verteidigte er den afrikanischen Sozialismus zu Beginn.

Das lag unter anderem daran, dass Tansania einen realen Beitrag dazu leistete, Afrika vom Imperialismus zu befreien, indem es zum Beispiel die nationalen Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika materiell und ideologisch unterstützte. So wurden Büros und Militärbasen für die Befreiungsfronten von Mozambique (FRELIMO) und Angola (MPLA) und Trainingscamps für den paramilitärischen Flügel des südafrikanischen African National Congress (ANC) für den Kampf gegen Apartheid-Südafrika eröffnet. Rodney profitierte selbst davon: Nicht nur wurde er militärisch ausgebildet, als er die Camps der FRELIMO besuchte, auch lernte er Delegationen aus Vietnam kennen, mit denen er einen prägenden Austausch hatte.

»Rodney beteiligte sich intensiv am Aufbau der Working People’s Alliance (WPA), einer Partei, die die Selbstorganisierung der Arbeiterklasse jenseits rassistischer Trennlinien anstrebte.«

In Tansania nannte man den afrikanischen Sozialismus »Ujamaa«. Ihm ging es darum, moderne Entwicklungsansprüche mit den Werten des vorkolonialen Afrikas zu verbinden, das vermeintlich klassenlos war. Die Landwirtschaft sollte kollektiviert werden, indem sich Bauern und Familien zu Ujamaa Villages, also erweiterten Dorfgemeinschaften, zusammenschlossen. Dazu wurden Landreformen verabschiedet, eine Alphabetisierung der Bevölkerung initiiert und Banken und Unternehmen verstaatlicht. Anfangs erfuhren die zahlreichen Reformen breite Unterstützung, doch die Politik unter Nyerere wurde immer repressiver, bis hin zu Streikverboten. Das Scheitern von Ujamaa in Tansania, aber auch der Putsch gegen den ghanaischen Präsidenten Kwame Nkrumah formten bei Rodney eine grundsätzlich kritischere Haltung zu einem Sozialismus, bei dem der Staat die zentrale Rolle spielt.

Vor dem sechsten Panafrikanischen Kongress 1975 übte Rodney in einer Rede scharfe Kritik an der panafrikanischen Bewegung. Die Phase des Neokolonialismus machte die widersprüchlichen Klasseninteressen in Afrika offensichtlich, denn das afrikanische Kleinbürgertum kämpfte sich an die Spitze der antikolonialen Bewegungen und kooperierte schließlich nach der Unabhängigkeit mit dem Kapital. Daraufhin fokussierte sich Rodney auf die revolutionäre Rolle der Arbeiterklasse. Dabei wandte er sich jedoch nicht vollständig von sozialistischen Staaten ab, vielmehr verschob er den Fokus auf die Kämpfe der arbeitenden Klasse.

Im Juli 1978, während er sich in Hamburg aufhielt, veröffentlichte er einen Artikel im Spiegel, in dem er sich mit der Rolle Kubas in Afrika auseinandersetzte. Darin zeigt sich, dass Rodney sich sehr genau anschaute, welche Staaten sich für sozialistisch erklärten und welche diesem Anspruch auch tatsächlich gerecht wurden. Seine Sympathie für Wilde Streiks und Organisierung außerhalb von offiziellen Gewerkschaften wuchs dabei immer mehr.

Klassenkämpfe in Guyana

Im Jahr 1974 kehre Rodney nach Guyana zurück. Er wollte dort wirkmächtig werden, wo er sich wirklich mit den lokalen Verhältnissen vertraut fühlte. Deshalb beteiligte er sich intensiv am Aufbau der Working People’s Alliance (WPA), einer Partei, die die Selbstorganisierung der Arbeiterklasse jenseits rassistischer Trennlinien anstrebte. Guyana unter dem Regime von Forbes Bunham war geprägt durch eine afro-guyanische Elite, die die indo-guyanische Bevölkerung rassistisch diskriminierte.

Die WPA nahm nicht an Wahlen teil, sondern konzentrierte sich auf Initiativen zur sozialistischen Bildung von Arbeiterinnen und Arbeitern, Wilde Streiks und Formen des zivilen Ungehorsams. Sie forderte jedoch auch eine nationale Front aller Klassen in Guyana, da sie ein gemeinsames Interesse im Kampf gegen den Imperialismus hätten, das sich unter der Führung der arbeitenden Klasse realisieren ließe. Insbesondere das Kleinbürgertum erlebte sinkende Lebensstandards und hätte davon profitiert, wenn die Zucker- und Bauxitindustrien verstaatlicht, damit die Produktionskapazitäten ausgeweitet und Produktivkräfte entwickelt worden wären. In dieser Kampagne vereinten sich viele Fragen, die Rodney sein Wirken hindurch begleiteten, wie das Verhältnis von Imperialismus, Nationalismus und Klassenkampf.

»Im Alter von nur 38 Jahren wurde Walter Rodney durch eine Autobombe des sozialdemokratischen Burnham-Regimes in Guyana getötet.«

Parallel zu seinem politischen Aktivismus in der Partei arbeitete Rodney daran, die Situation in Guyana zu theoretisieren. In dem Buch A History of the Guyanese Working people 1881–1905, das erst nach seinem Tod erschien, zeichnet er die Entstehung der Arbeiterklasse Guyanas nach und zeigt zugleich das Potenzial gemeinsamer Klassenkämpfe trotz aufgespaltener Lebensrealitäten. Ursprünglich waren mehrere Bände geplant, doch Rodney hinterließ nur das Manuskript für den ersten.

Im Alter von nur 38 Jahren wurde Walter Rodney durch eine Autobombe des sozialdemokratischen Burnham-Regimes in Guyana getötet. Er hinterließ Frau und Kinder sowie das Erbe eines revolutionären Intellektuellen, der die Verbindung von Theorie und Praxis wie kaum jemand vor und nach ihm verkörperte.

Walter Rodneys Erbe

Mit Wie Europa Afrika unterentwickelte verfasste Rodney eine historische Studie, die die Phasen vor der Dekolonisierung nachzeichnet, um den Zustand der afrikanischen Unterentwicklung zu erklären. In seinen späteren Schriften befasst er sich mit Neokolonialismus und der wachsenden Relevanz der USA sowie von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Mit dieser neuen Phase stellen sich auch neue Fragen.

Die Entwicklung von Rodneys Marxismus beschreibt weniger einen Wandel als eine kohärente Bewegung, die durch seine politische Aktivität und die objektiven Bedingungen der Zeit begründet war. Black Power war für diesen Weg ein denkbar guter Ausgangspunkt, denn kaum irgendwo war die globale Dimension des kapitalistischen Weltmarkts so offensichtlich wie in der Karibik, wo Schwarz-Sein gewissermaßen gleichbedeutend mit Arbeiter-Sein war. Nachdem die formale Dekolonisierung die Unterentwicklung Afrikas nicht gelöst hatte, begriff Rodney, dass die Probleme der Dritten Welt vor allem ökonomischer Natur sind und ihre Unterdrückung im Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit begründet liegt. In seinem späteren Werk zentriert er deshalb die Selbstorganisation der Arbeiterklasse als wichtigste revolutionäre Kraft und Grundlage für den Aufbau des Sozialismus als einer wirklich demokratischen Gesellschaft.

Rodney hielt bis zum Ende seines Lebens an den Theorien von Marx und Engels fest, doch sein Marxismus war deshalb nicht dogmatisch, denn er nahm nicht einfach klassische marxistische Werke und übertrug sie schablonenhaft auf seine eigene Gegenwart, sondern eignete sich das theoretische Werkzeug an, um afrikanische Geschichte und die Bedingungen afrikanischer Befreiung zu erschließen. Er verstand den Marxismus nicht einfach als die Summe der Geschichte anderer Leute, sondern als lebendige Kraft innerhalb seiner eigenen Geschichte.

Tags: Politik

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