Die Linkspartei steht vor einem Problem, das sich die Genossen noch vor einem Jahr nicht hätten erträumen können: über 50.000 Neumitglieder in nur sechs Monaten. Natürlich, die Verdopplung der Mitgliederzahlen seit Ende 2024 – damals waren es noch 58.000, heute sind es 115.000 – ist mehr Luxus als Problem. Denn der Hype um die Linke sorgte im Frühjahr nicht bloß für neue Einträge in der Mitgliederkartei oder einen Anstieg der Mitgliedsbeiträge. Es waren eben genau diese Neumitglieder, die im Bundestagswahlkampf 600.000 Haustürgespräche möglich machten, in ihrem Freundeskreis und auf Social Media für die Partei warben, kurz, die Linke wieder cool machten und damit maßgeblich zum 8,7-Prozent-Erfolg der Partei beitrugen.
Und hier das Problem – oder genauer die zwei Probleme, vor denen die Linke jetzt steht: Will sie den Hype, der vor der Bundestagswahl entstanden ist, für die kommenden Wahlen aufrechterhalten, dürfen die Neumitglieder nicht zu Karteileichen werden. Sie müssen dauerhaft in die Parteistrukturen integriert werden – Strukturen, die in vielen Kreisverbänden, wo es vor einem Jahr kaum noch aktive Mitglieder gab, gelinde gesagt marode sind.
Dazu kommt: Ein großer Teil der Neumitglieder ist jung, politisch unerfahren, und ob sie links im Sinne der Linkspartei sind, lässt sich noch nicht so sicher sagen. Das Spektrum ist zumindest groß – von Linksautonomen, die vergangenes Jahr bei einem Großaufruf aus der Szene beigetreten sind, über Menschen, die noch nie zuvor politisch aktiv waren, bis hin zu ehemaligen Aktiven von SPD und Grünen. Die Partei muss also diejenigen, die in den Parteistrukturen aktiv werden, »auf Linie bringen«, ohne die Neumitglieder direkt wieder zu vergraulen, oder sich mittel- und langfristig von neuen Linienkonflikten an der Basis überraschen lassen.
Wie läuft also knapp ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl der Organisationsaufbau in der Linkspartei? Wer sind die neuen Aktiven und Nicht-Aktiven und welche Positionen bringen sie mit? Und wird die Linke »der großen Masse der Neumitglieder« tatsächlich ein »ABC des Marxismus« vermitteln, wie die Parteivorsitzende Ines Schwerdtner ankündigte?
Treffen sich drei Linke und gründen sechs Arbeitsgruppen
Wir stehen vor einem Jugendzentrum in Charlottenburg-Wilmersdorf, es ist Samstag und es ist heiß. An der roten Steinmauer des Gebäudes sind Hakenkreuze angemalt. »Hast du mal ’nen Edding?«, fragt eines der neuen Linkenmitglieder, das zur Aktivenkonferenz des Bezirksverbands gekommen ist und übermalt das Nazisymbol: linke Minimalpraxis, auf die sich hier mit Sicherheit alle einigen können.
Charlottenburg-Wilmersdorf ist keine Nazihochburg; die AfD kam hier bei der Bundestagswahl gerade mal auf 8 Prozent. Hier regiert seit vielen Jahren die CDU, gefolgt von Grünen und SPD als zweit- und drittstärkste Kraft. Westberlin halt. Die Linke konnte ihr Ergebnis allerdings gegenüber der Bundestagswahl 2021 verdoppeln – von 5,6 auf 14 Prozent – und ihre Mitglieder in nur einem Jahr verdreifachen – von über 200 auf mehr als 800 Mitglieder.
Im Eingang des Backsteingebäudes geht es hektisch zu. Eine junge Frau baut ein Büfett mit etwa siebzehn verschiedenen selbstgekochten Speisen auf. Jemand aus dem Orga-Team trägt Colaflaschen rein – Palestinecola, eine der neuen Softdrinkmarken, die seit dem 7. Oktober als Alternativen zu Coca-Cola wegen Zusammenarbeit mit Israel aufgeploppt sind. Linke Minimalpraxis, auf die sich hier schon nicht mehr alle einigen können, wie ich später erfahren werde.
PAYWALL
Im großen Saal des Jugendzentrums haben sich etwa siebzig Leute versammelt. Sie alle sind hier, weil sie in den vergangenen Monaten der Linkspartei beigetreten sind, aber noch nicht so richtig wissen, wie sie sich einbringen können. Die Frage, warum sie sich bisher nicht an der Parteiarbeit beteiligt haben, beantworten eigentlich fast alle nach dem gleichen Schema: Bei der Bundestagswahl schien es um alles zu gehen, die Partei war wie elektrisiert, das hat motiviert. Danach kam eben das Leben dazwischen.
»Es ist am Anfang aber auch etwas kompliziert, sich in so einer Partei zurechtzufinden«, erzählt Linda, die vor ein paar Monaten in die Partei eingetreten ist. »Man muss erst mal verstehen, welche AGs es gibt, wer in welchem Gremium sitzt, und wo man als Mitglied wann seine Stimme abgeben kann«. Sie selbst war vorher nur bei der Initiative Deutsche Wohnen & Co. enteignen aktiv, da habe es solche starren Organisationsstrukturen nicht gegeben.
»Einen QR-Code für die jeweilige Telegram-Gruppe scannen – und schon ist man dabei.«
Auf der Aktivenkonferenz soll auf jeden Fall das Gegenteil von starren Strukturen vermittelt werden. »Hier ist alles ganz offen«, betonen die Organisatoren bei der Veranstaltungseinführung auf der Bühne circa siebenmal in zehn Minuten, als wollten sie allen Anwesenden unmissverständlich klarmachen, dass sie nicht bei einer Zwangsveranstaltung gelandet sind. »Jeder kann sich hier frei bewegen und kommen und gehen, wann er oder sie Lust hat. Wir haben ein paar Programmpunkte vorbereitet, aber ihr könnt auch in der Zeit einfach etwas anderes machen.«
Das Mittel der Wahl, um überhaupt erst Raum für neue Aktive zu schaffen, scheint die Gründung von Arbeitskreisen zu sein, die an der Linken-Basis derzeit wie Pilze aus dem Boden sprießen. Zuerst einmal gehe es darum, den Leuten irgendeine Verantwortung zu übertragen und sie einzubinden, erklärt mir ein Genosse, der schon etwas länger im Kreisverband aktiv ist. Auf Tischen im Saal verteilt präsentieren sich die Beschäftigungsmöglichkeiten den Teilnehmern: fünf Arbeitsgruppen, drei Arbeitskreisen, sieben Basisorganisationen, einem Stammtisch und der Jugendorganisation solid können sich die Charlottenburger Neumitglieder anschließen. Einen QR-Code für die jeweilige Telegram-Gruppe scannen – und schon ist man dabei.
Offen, aber nicht beliebig
Das Gebot der maximalen Offenheit bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich. »Zum einen haben wir diese vielen neuen Mitglieder, die frei einbringen sollen und dürfen, wieso sie hier sind«, erzählt Thomas, der als Vorstandsmitglied für die Mitgliederarbeit im Bezirk mit zuständig ist. »Selbsterläuternd wird es dann, wenn es heißt: Wir kommen von der SPD oder von den Grünen.« Sehr oft komme das nicht vor, aber doch häufig. »Bei Dienstälteren löst das die Sorge aus: Werden wir jetzt beliebig?« Politische Beliebigkeit verhindern und gleichzeitig offen für alle sein – ein Balanceakt, der viele Basisverbände gerade beschäftigt.
Thomas ist seit anderthalb Jahren Bezirksmitglied. »Damals gab es einen Beitrittsaufruf der Interventionistischen Linken, um die Partei in ihrer größten Krise zu retten – für mich war es ein Ruf weg von der Couch und hin zum Politisch-wieder-aktiv-Werden.« Inzwischen gehört er schon zu den »alten Hasen« in Charlottenburg-Wilmersdorf.
»Wir Dienstälteren gehen sehr geduldig damit um, dass viele Neue ein bisschen anders ticken als wir, aber dann eben aufgrund des Rechtsrucks von SPD und Grünen doch am ehesten zur Linkspartei gehören.« Viele der Neumitglieder hätten überhaupt keine Erfahrung im politischen Denken. »Wenn die Positionen etwas diffus sind, nach dem Motto ›Ich will einfach ein bisschen mehr Menschenrechte‹, sagen wir: ›Okay, lass uns darüber mal reden, vielleicht brauchen wir doch mehr als nur ein paar Gesetze obendrauf‹.«
Um mit den diversen Herausforderungen umzugehen, hat der Bezirksverband zunächst das Format der Neumitgliedertreffen ins Leben gerufen. »Von über 600 Neumitgliedern, die innerhalb eines Jahres zu uns gestoßen sind, haben wir mindestens 400 in einem der Treffen gehabt.« Dort wird dann zum einen vorgestellt, wie die Partei aufgebaut ist, welche Gremien und Mitbestimmungsverfahren es gibt. Gleichzeitig geht es darum, die Neumitglieder kennenzulernen – warum sie beigetreten sind, welche politischen Perspektiven und Interessen sie mitbringen. »Bei ganz Neuen kommt da in der Regel nicht allzu viel. Meistens haben die Leute noch gar nicht viel Politik gemacht, haben nur wenig Zeit ihres Lebens politisch denkend verbracht«, erklärt Thomas.
Junge Frauen und alte Männer
Liest man über die Neumitglieder der Linken, fallen meist die drei Adjektive: jung, weiblich, urban. Das deckt sich mit den Statistiken des Parteivorstandes. Demnach ist der Bundesdurchschnitt der Neumitglieder wesentlich jünger und weiblicher – die meisten sind, wie zu erwarten, in den Städten beigetreten. Erstmals in der Geschichte der Linkspartei zählen westdeutsche Verbände mehr Mitglieder als ostdeutsche.
Hin zu einer Arbeiterpartei, die die Linke nach Vorstellung der Parteivorsitzenden werden soll, ist es also noch ein weiter Weg. Junge linke Akademikerfrauen in Großstädten, wie sie mir überwiegend begegnet sind, sind so ziemlich das exakte gesellschaftliche Gegenteil des klassischen Industriearbeiters, dem sich die Partei dafür zuwenden müsste.
»Falls gerade der Verfassungsschutz mitliest: Die Angst, dass gerade eine ganze Generation junger Linken-Mitglieder zu waschechten Marxisten ausgebildet wird, scheint eher unbegründet.«
Auch bei der Aktivenkonferenz in Charlottenburg sind junge Frauen zwischen 23 und vierzig in der Mehrheit. Charlotte, Mitte zwanzig, erzählt mir, sie sei früher bei der Grünen Jugend aktiv gewesen, sei dann aber der Linkspartei beigetreten, weil deren Klimaforderungen konsequenter gewesen seien. Für Linda war ihre Palästinasolidarität Hauptgrund, in der Partei aktiv zu werden: »Was dazu von der Linken kam, war zwar am Anfang nicht genug, aber sie war die einzige der größeren Parteien, die überhaupt Kritik geübt hat an der israelischen Kriegsführung und gegen die Waffenlieferungen war.«
Draußen vor der Tür erzählt mir eine andere junge Frau, sie mache sich Sorgen über »antisemitische Tendenzen« in ihrer Partei. Sie wolle sich insbesondere nach dem Austritt der israelsolidarischen Fraktion um den ehemaligen Berliner Linke-Vorsitzenden Klaus Lederer für mehr Sensibilität beim Thema Antisemitismus einsetzen. Innerhalb des linken Spektrums und auch in Teilen der Linkspartei beobachte sie eine merkwürdige Allianz »zwischen Linken und Islamisten«. Wann für sie persönlich die Grenze des Tragbaren überschritten ist? Darüber müsse sie sich noch Gedanken machen. Eigentlich habe es solche Momente schon längst gegeben, überlegt sie – etwa als der Linken-Parteitag in Chemnitz die Jerusalem-Definition für Antisemitismus beschloss.
Bei der Aktivenkonferenz in Charlottenburg sticht neben jungen Frauen zwischen zwanzig und 35 noch eine zweite Gruppe heraus: Männer über fünfzig. Sie stehen eher im Hintergrund, geben hier nicht den Ton an, wie man es aus eigentlich allen anderen Parteien gewohnt ist.
Einer von ihnen ist Winfried. Auf die Frage, wo er herkommt, antwortet er: »Ich bin ursprünglich Trotzkist.« Viele Jahre lang hat er bei Siemens im Betrieb gearbeitet, ist Gewerkschaftsmitglied. Die Abwehrkämpfe gegen tausende Stellenkürzungen in den 2000er Jahren haben ihn politisch geprägt. »Da habe ich verstanden, wie stark die großen Gewerkschaften von Sozialdemokraten dominiert sind. Es wird zwar immer wieder ein bisschen was für die Belegschaft rausgeholt – für fundamentale Veränderung kämpft man aber nicht.«
Gewerkschaftsarbeit brauche politische Verankerung, weiß Winfried. Die Linkspartei habe er bisher nur nicht wirklich im Gewerkschaftskontext wahrgenommen – um das zu ändern, ist er Mitglied geworden. »Ich hatte den Eindruck, dass sehr viel mehr Bewegung in der Partei ist und dass es Interesse gibt, mehr Gewerkschaftspolitik zu machen. Noch habe ich wenig davon mitbekommen, muss ich ehrlich sagen.« In der Partei setze man vor allem auf Organizing, um in den Betrieben um neue Mitglieder zu werben. Entscheidend sei es aber, dass man die wichtigen Gremien in den Gewerkschaften richtig besetzt. Winfried ist als waschechter Arbeiter quasi Bilderbuchmitglied – zumindest für den Teil der Partei, der aus ihr eine freundlich-sozialistische Arbeiterpartei machen will.
Die Aktivenkonferenz ist dann der nächste Schritt, um Leute, die schon mal bei einem Neumitgliedertreffen waren, aktiv zu halten. Zusätzlich sollen die Neumitglieder mit Bildungsformaten an linke Inhalte herangeführt werden. Dafür wurde etwa das Format »Elsa und Schlau« entwickelt, wo es um unterschiedliche linke Themen wie antifaschistische Wirtschaftspolitik oder das Leben von Rosa Luxemburg geht. Hierfür lädt der Bezirksverband Referenten aus der Rosa-Luxemburg-Stiftung ein.
Doch nur ein Lesekreis
Und was ist mit den Marxistischen Grundschulungen, die der Parteivorstand nach der Wahl angekündigt hat? An der Umsetzung in der breiten Fläche hapert es noch – wahrscheinlich auch deshalb, weil im Karl-Liebknecht-Haus nur zwei Leute für den Bereich Bildung verantwortlich, und, wie ich aus Parteikreisen erfahren habe, überlastet sind mit der Aufgabe, mehrere neue Bildungsformate flächendeckend auf die Beine zu stellen.
In Charlottenburg-Wilmersdorf läuft das Format allerdings schon, aus Eigeninitiative organisiert. Falls gerade der Verfassungsschutz mitliest: Die Angst, dass gerade eine ganze Generation junger Linken-Mitglieder zu waschechten Marxisten ausgebildet wird, scheint eher unbegründet – also zumindest, wenn das mit der Marx-Grundschulung in allen Kreisverbänden so läuft wie in Charlottenburg-Wilmersdorf.
Von über 800 Bezirksmitgliedern sind an diesem Montagabend nur fünf Personen da, um sich, im Kreis sitzend, in einem mit altem Teppichboden belegten und mit grellem Neonlicht beleuchteten kleinen Raum von Norbert die marxsche Arbeitswerttheorie erklären zu lassen. Na gut, es sind 29 Grad draußen. Zu Beginn des Kurses seien es aber auch nur ein Dutzend Teilnehmende gewesen.
»Es sind Räume, in denen sich ehemalige Trotzkisten und Grüne, Studentinnen und Gewerkschafter begegnen – vereint durch eine Partei, die sich selbst erst wieder finden muss.«
Norbert ist 76, war vor seiner Rente Geschichtslehrer. Im Gespräch wirkt er wie eine Art linker Universalgelehrter – so schafft er es, die Frage, wie man im Kreisverband mit Konfliktthemen wie Gaza umgeht, auf Entwicklungen des tatsächlichen Nahostkonflikts in den 1970er Jahren zu kommen.
An einer weißen Pinnwand hat Norbert bunte Karten aus einem Präsi-Koffer, beschriftet mit den wichtigsten Begriffen der Arbeitswerttheorie, angebracht. In Kleinstgrüppchen sollen die Marxkenner in spe untereinander klären, was der Unterschied zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit ist. Nur der eine Typ, der glaubt, Marx schon längst verstanden zu haben, ist überzeugt, ihn zu kennen. Alle anderen gehen offen damit um, dass sie aus der Lektüre des Kapitals nicht schlau geworden sind, oder einfach keine Zeit hatten, zu lesen.
Am Ende der Unterrichtseinheit öffnet Norbert die Diskussionsrunde: »Wenn jeder Teil der profitbasierten Wertschöpfungskette, also die Ausbeutung, die mit dem kapitalistischen Wirtschaften einhergeht, legal ist, wie können wir als Linke trotzdem dagegen argumentieren?« Man würde sich schon wünschen, dass sich Linke zumindest darauf einigen können, dass diese Frage Ausgangspunkt für linkes Wirken ist.
Nur mit diesem Bewusstsein könnte man Ex-Grünen klarmachen, dass »ein bisschen mehr Menschenrechte« oder ein paar regulierende »Gesetze obendrauf« die Probleme dieser Welt aus linker Sicht nicht lösen. Aber dafür muss man eben irgendwann mal einen Marx-Lesekreis besucht haben. Und das machen am Ende dann doch nur fünf von 800. Das Format, mit dem man die parteilinken Massen für Marx begeistert, muss offenbar erst noch geschaffen werden.
Die Basis lebt, ob mit oder ohne Marxismus
Dass sich nur ein paar wenige in den Marx-Lesekreis verirren, ist zwar bedauerlich, aber vielleicht erst einmal keine Tragödie. In Charlottenburg-Wilmersdorf – wie in vielen anderen Kreisverbänden – ist etwas gelungen, das weit über ideologische Schulungen hinausgeht: Die Euphorie der Bundestagswahl wurde in reale politische Strukturen übersetzt, in neue Räume, in denen sich Menschen zum ersten Mal als politisch handlungsfähig erleben.
Es sind Räume, in denen sich ehemalige Trotzkisten und Grüne, Studentinnen und Gewerkschafter begegnen – vereint durch eine Partei, die sich selbst erst wieder finden muss. Und doch ist da ein Funke, der sich nicht messen lässt in AG-Anzahl oder Marx-Kenner: eine neue, etwas chaotische, aber spürbare politische Lebendigkeit, die noch vor zwei Jahren undenkbar gewesen wäre. Was daraus wird, entscheidet sich nicht im Karl-Liebknecht-Haus oder im Bundestag, sondern hier: irgendwo zwischen Telegram-Gruppen, Bezirksstammtischen, Sommerfesten und siebzehn Arbeitskreisen. Im besten Fall reicht es aus, um bei der Berlinwahl 2026 auf Platz eins zu landen. Was danach geschieht, wird dann aber doch im Karl-Liebknecht-Haus entschieden.
Richtigstellung: Der Beitrittsaufruf »Wir // Jetzt // Hier« ging nicht von der Organisation Interventionistische Linke aus, sondern von Linken »aus verschiedenen Teilen der Zivilgesellschaft«.