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Wie deutsche Revoluzzer für die Abschaffung der Sklaverei kämpften

Sozialisten aus Deutschland kämpften und starben in den USA für die Befreiung der Sklaven. Ihre Geschichte ist heute nahezu komplett vergessen.

Wie deutsche Revoluzzer für die Abschaffung der Sklaverei kämpften
General Franz Sigel, etwa 1860-1865.Mathew Benjamin Brady/Wikimedia Commons
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Die soziale Lage in den deutschen Staaten im Vorfeld der Revolutionen von 1848 brachte eine Generation radikaler Sozialistinnen und Kommunisten hervor, die die Weltgeschichte veränderten.

Diese Generation kämpfte auf den Barrikaden Mitteleuropas gegen die Monarchie. Viele von ihnen überquerten nach der Niederschlagung der Aufstände den Atlantik in die Vereinigten Staaten – gerade rechtzeitig, um dort die Union im Bürgerkrieg zu unterstützen. Radikalisierte deutsche Einwandererinnen und Einwanderer verhinderten im Kampf den Beitritt von Missouri zur südstaatlichen Konföderation, gründeten während des Eisenbahnstreiks 1877 die erste US-amerikanische Kommune und schufen eines der bedeutendsten öffentlichen Schulsysteme in den jungen Vereinigten Staaten.

In den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts und im darauf folgenden McCarthyismus wurden viele wichtige Beiträge dieser radikalen Deutsch-Amerikaner zur sozialistischen Bewegung heruntergespielt, ignoriert und vertuscht. Im Zuge des Red Scare wurden ihre Errungenschaften totgeschwiegen. Abgesehen von einigen wenigen Statuen und dem berühmten Abwassersystem von Milwaukee ist der enorme Einfluss dieser deutschen Linken in der amerikanischen Geschichte kaum noch sichtbar und heute weitgehend vergessen.

Baden, 1848

Schon lange vor der Revolution 1848 hatten diverse Wellen sozialer Konflikte die deutschen Staaten erfasst. Die napoleonischen Truppen mögen 1815 bei Waterloo gestoppt worden sein, aber die napoleonisch-liberalen Ideen verbreiteten sich überall.

In Deutschland startete schon im späten fünfzehnten Jahrhundert mit der Erfindung des Buchdrucks ein Angriff auf die herrschende Macht. Die protestantische Reformation trieb die Alphabetisierung der Deutschen voran und forderte die Allmacht der katholischen Kirche heraus: Man solle einzig und allein durch die Heilige Schrift Trost und Hoffnung finden können, nicht durch Priester und die hierarchische Bürokratie der Kirche, forderte Martin Luther.

Da das Volk nun die Bibel lesen konnte, konnte es sich bald auch durch andere Texte, beispielsweise in Zeitungen, weiterbilden. Rund dreihundert Jahre nach Luther begannen die Deutschen, die Werke der jungen Hegelianer Karl Marx und Friedrich Engels zu studieren. Diese veröffentlichten 1848 das Kommunistische Manifest, passend zum revolutionären Aufbruch in den deutschen Gebieten.

Feudale Monarchen, die alte Aristokratie und die Kirche waren nach mehreren hundert Jahren gesellschaftlicher Kontrolle im Niedergang begriffen. Die einzige Streitfrage im Jahr 1848 lautete: Wer wird in Zukunft die Macht an sich reißen? Die Bourgeoisie? Oder die revolutionären Kräfte?

Überall auf dem Kontinent wurden Barrikaden errichtet. Im Manifest wurden Änderungen in Bezug auf das Erbrecht (beziehungsweise dessen Abschaffung) und bei der Verteilung des Eigentums (Abschaffung des Privateigentums) gefordert. Außerdem wurde auf die Einführung eines kostenlosen öffentlichen Bildungssystems für alle Kinder gedrängt: »Und ist nicht auch Eure Erziehung durch die Gesellschaft bestimmt? Durch die gesellschaftlichen Verhältnisse, innerhalb derer Ihr erzieht, durch die direktere oder indirektere Einmischung der Gesellschaft vermittelst der Schule und so weiter?« Die Kommunistinnen und Kommunisten machten es sich zum Ziel, die Alphabetisierung der Bevölkerung massiv voranzutreiben und »die Erziehung dem Einfluss einer herrschenden Klasse« zu entreißen.

Marx und Engels zielten auf ein breites Publikum ab, aber es waren vor allem Handwerker sowie Bäuerinnen und Bauern, deren Lebensunterhalt in den deutschen Staaten am unmittelbarsten durch den Industriekapitalismus bedroht war. 

Direkt auf der ersten Seite des Manifests werden die Gesellen erwähnt. »Handwerksmeister konnten noch einen recht anständigen Lohn verdienen«, schreibt Mark Kruger in The St. Louis Commune of 1877, »aber ihre Gesellen lebten wortwörtlich am Abgrund, an der Schwelle zum Verhungern. Handwerker und Meister versuchten, ihre Privilegien zu behalten, ihre Produktion, ihr Einkommen und ihr Arbeitsumfeld zu kontrollieren, während die Gesellen versuchten, selbst Meister zu werden – und die Zünfte lagen schon im Sterben.«

Während die Fabriken für die Arbeiterschaft in der Stadt für Kinderarbeit, lähmende Langeweile, von Maschinen verstümmelte Gliedmaßen und niedrige Löhne standen, verarmten die Deutschen auf dem Land durch die ungleiche Aufteilung des Bodens. Das Jagen oder Sammeln von Holz auf adeligem Land konnte einen Bauern schnell in eine vermoderte Gefängniszelle bringen. Die Spannungen nahmen Jahr für Jahr zu; immer mehr Bäuerinnen und Bauern widersetzten sich den bestehenden Gesetzen oder befreiten Gefangene.

Schlechte Ernten in den 1840er Jahren verstärkten den Druck. In Teilen Mitteleuropas sahen sich über zwei Drittel der Bevölkerung gezwungen, zu betteln. Ein weiterer Effekt: Zwischen 1816 und 1850 wanderten 5 Millionen Menschen aus Europa aus, rund die Hälfte von ihnen über den Atlantik nach Amerika.

Da sie in dieser zusammenbrechenden Wirtschaftsordnung keine Zukunft sahen, setzten viele auch auf Gewalt – und ihre Prinzen und Adeligen unsanft ab. 1843 machte der junge Revolutionär Franz Sigel seinen Abschluss an der Karlsruher Militärakademie und trat in die Armee des Großherzogtums Baden ein. Sigel wurde Leutnant, wechselte fünf Jahre später aber die Seiten und führte den »Sigel-Zug« – eine Miliz von rund 4.000 Freiwilligen – gegen die Truppen des Großherzogtums ins Feld. Sigels Einheit war zahlenmäßig unterlegen, machte sich in den Kämpfen dennoch einen Namen.

»Die Insurrektion«, schrieb Marx 1848 über Kämpfe in Paris, »entwickelt sich zur größten Revolution, die je stattgefunden, zur Revolution des Proletariats gegen die Bourgeoisie«. Er berichtete weiter: »Die Kanonen antworteten und bis 9 Uhr zersplitterten Fenster und Ziegel von dem Donner der Geschütze; es ist ein entsetzliches Feuer. Das Blut fließt in Strömen, während sich zu gleicher Zeit ein fürchterliches Gewitter entladet. Soweit man sehen kann, ist das Straßenpflaster von Blut gerötet […] Die Zahl der Toten ist immens, die Zahl der Verwundeten noch viel größer.«

Die manchmal als »Völkerfrühling« bezeichneten Revolutionen von 1848 brachen neben Deutschland in Frankreich, Italien, dem Habsburger Reich und der Schweiz aus. Der Historiker Eric Hobsbawm sieht als Hauptursache die sich überschneidenden Interessen dreier Gruppen:

Devin Thomas O’Shea

Devin Thomas O’Shea ist Autor und lebt in St. Louis. Seine Texte erschienen unter anderem in »The Nation«, »Protean«, »Current Affairs« und »Boulevard«.

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