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Die K-Zombies kommen

Südkorea zeigt der Welt, wie man politische Horrorfilme macht.

Die K-Zombies kommen
»Die Zombies wüten im Reich der koreanischen Joseon-Dynastie.«Foto: © Magnolia Pictures
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In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben das südkoreanische Fernsehen und Kino weltweiten Erfolg bei Kritik und Publikum erzielt. Diese Filme und Serien mögen zwar hochglänzend und stylisch daherkommen, sie zeigen mit ihrer Gesellschaftskritik aber oftmals auch die dunklen Seiten Koreas.

Die südkoreanische Filmindustrie hat darüber hinaus zahlreiche Thriller sowie Horror- und Zombiefilme produziert. Auch hier haben große Regietalente das Genre genutzt, um sich mit sozialen Themen auseinanderzusetzen. Das bekannteste Beispiel ist Bong Joon Hos Oscar-prämierter Film Parasite, der zwar kein ausgewiesener Horrorfilm ist, aber doch Spannungselemente mit Sozialkritik vermischt. Mit seiner Darstellung der südkoreanischen Klassenpolarisierung stellt er dem Publikum die Frage, wer in Wahrheit die Parasiten sind.

In seinem Film The Host von 2006 hatte der Regisseur bereits Monster gezeigt, um Erinnerungen an den antifaschistischen Aktivismus in den 1980er Jahren wachzurufen. Es sind Erinnerungen, die um die Jahrtausendwende unter dem neoliberalen gesellschaftlichen Konsens weitgehend unterdrückt wurden. Die Inspiration für The Host stammt von einem realen Vorfall, bei dem US-amerikanische Armeeoffiziere einem koreanischen Leichenbestatter befahlen, Formaldehyd in den Han-Fluss zu kippen. Es gibt somit vorsichtige Anspielungen auf antiamerikanische Stimmungen in Teilen der koreanischen Gesellschaft.

Im Jahr 2021 landete Netflix mit Squid Game einen weltweiten Hit, der inzwischen für eine zweite Staffel verlängert wurde. Die Serie lehnt sich an den japanischen Film Battle Royale aus dem Jahr 2000 an, in dem Teenager gezwungen werden, sich gegenseitig zu ermorden. In der südkoreanischen Serie bringen sich die Benachteiligten des Kapitalismus gegenseitig um, um ihre unüberwindbaren Schulden zu begleichen. Squid Game ist damit nicht nur ein blutiges Spektakel, sondern auch eine scharfe Kritik an der Seelenlosigkeit des »Wirtschaftswunders« im Tigerstaat Südkorea.

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Eine Allzweck-Metapher

»Gruselelemente« als politische Metaphern zu gebrauchen, hat weltweit eine lange Geschichte. Schon Karl Marx und Friedrich Engels schrieben bekanntlich vom »Gespenst«, das in Europa umgeht. Insbesondere Zombies haben sich als nützliche Figuren für Sozialkritik erwiesen.

In progressiven Erzählungen können diejenigen, die Zombies erschaffen und kontrollieren, für den Angriff eines autoritären Staates auf die persönliche Freiheit oder für die entmenschlichende Macht des Kapitalismus stehen. In einem solchen Horror-Marxismus verwandelt der westliche Industriekapitalismus das Proletariat in ebenso willfährige wie austausch- und wegwerfbare Zombies.

Umgekehrt steht aus reaktionärer Sicht die Figur des Zombies für den Klassenfeind oder dient als rassistische Schablone. Dieser Rassismus strotzt vor Fantasien über blutrünstige, grässliche Horden aus dem entkolonialisierten Globalen Süden, wie sie sich an Vergewaltigungs- und Mordorgien erfreuen. Man denke an die Reaktionen auf nationale Befreiungsbewegungen, von Haiti über Algerien bis Palästina, um die Quelle solcher düsteren Vorstellungen zu finden.

Im frühen 20. Jahrhundert experimentierten Kunstschaffende auf der ganzen Welt mit der neuen Filmtechnik, um grausame Bilder für ihre Gesellschaftskritik zu verwenden. Die Entstehung des Horrorfilms kann im Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg verortet werden. Robert Wienes expressionistischer Film Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) und Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu: Eine Symphonie des Grauens (1922) spiegelten die Traumata wider, die das Abschlachten von Millionen junger Männer in sinnlosen Grabenkämpfen innerhalb der deutschen Gesellschaft verursacht hatte. Auch in Fritz Langs Metropolis (1927) und M: Eine Stadt sucht einen Mörder (1931) wurden Horror-Elemente verwendet, um soziale Konflikte im Deutschland der Zwischenkriegszeit darzustellen.

Ein halbes Jahrhundert später setzten sich US-amerikanische Filmemacher mit den Schrecken des Vietnamkriegs auseinander. John Boormans Beim Sterben ist jeder der Erste (1972) und Tobe Hoopers The Texas Chainsaw Massacre (1974) trafen den Nerv des Publikums, das sich seiner Mitschuld an der imperialistischen Gewalt bewusst wurde, nach den soziopolitischen Umwälzungen der 1960er Jahre vor einer chaotischen Gesellschaftsordnung fürchtete und bereits die Schrecken ausmalte, die noch kommen würden.

»Obwohl sie schreckliche Monster sind, werden die K-Zombies häufig auch als Opfer sozialer Ungleichheiten dargestellt.«

Es gibt auch Beispiele aus dem Globalen Süden: Angesichts der strengen Zensur während der sogenannten »Neuen Ordnung« von General Suharto (1966–98) nutzten indonesische Filmschaffende Horror als politisch »sichere« und zugleich befreiende Ausdrucksform, nachdem Millionen Kommunistinnen, Gewerkschafter, Feministinnen, Künstler und andere verhaftet, gefoltert und ermordet worden waren. Auf der anderen Seite verwendete sogar die Regierung Darstellungen von Hexen und übermenschlicher Macht in ihrer antikommunistischen Propaganda.

Zombies als soziopolitische Metapher kehren immer wieder auf die Leinwand zurück. US-amerikanische Zombiefilme transportieren oft reaktionäre Themen, die Angst vor einem rachsüchtigen »Anderen« und imperialistische Ängste. Victor Halperins Klassiker Im Banne des weißen Zombies (1932) spielt auf Haiti und greift die Ängste der Weißen vor dem panafrikanischen Mystizismus auf. Dessen übernatürlicher Terror ist untrennbar mit dem »Schrecken« des Schwarzseins verknüpft. Halperins absolut vergessenswerte Fortsetzung Die Revolte der Zombies (1936) schildert eine weiße Rassenparanoia vor rebellischen Einheimischen im französisch beherrschten Kambodscha.

Im James-Bond-Film Leben und Sterben lassen (1973) stehen karibische Zombies und »Voodoo« für die Angst des US-Imperiums vor einem radikalen Schwarzen Dritte-Welt-Imperium in einer sich entkolonialisierenden Welt. Dagegen verwendete George Romero in Die Nacht der lebenden Toten (1968) Zombies als Metapher für den US-amerikanischen Rassismus und die Reaktion der Weißen Eliten in der Ära der Bürgerrechtsbewegung.

Sowohl Danny Boyles todernster Film 28 Tage später (2002) als auch die Zombie-Komödie Shaun of the Dead (2004) spielen indes mit der Angst des Westens vor der Brüchigkeit der neoliberalen Weltordnung während des US-amerikanischen »Kriegs gegen den Terror«. Der durchschlagende Erfolg der elf Staffeln von The Walking Dead (2010–22) sowie der verschiedenen Spin-offs spricht die wohl aktuellsten US-amerikanischen Ängste vor einem kommenden dunklen Zeitalter des endlosen Krieges an.

Untote als Opfer von Ungleichheit

Koreanische Regisseure haben sich das westliche Zombiefilm-Genre zu eigen gemacht – und das Publikum zog mit. Zu den herausragenden Filmen gehören Kim Jee-woons und Yim Pil-sungs Trilogie Doomsday Book aus dem Jahr 2012, Na Hong-jins The Wailing: Die Besessenen (2016) und Il Chos #amleben (2020).

Obwohl sie schreckliche Monster sind, werden die K-Zombies häufig auch als Opfer sozialer Ungleichheiten dargestellt. In den genannten Filmen sind es die ärmsten und schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, die zuerst einer Bedrohung zum Opfer fallen, gegen die sie sich nicht wehren können. Wie die dem Untergang geweihten Kandidatinnen und Kandidaten im antikapitalistisch geprägten Squid Game sind sie in den Fängen sozialer Machtstrukturen gefangen, die mit einer »nekropolitischen« Logik arbeiten.

Train to Busan (2016) von Yeon Sang-ho ist einer der erfolgreichsten K-Zombie-Filme. Er ist nicht nur ein gut gemachtes Stück Kino, sondern vollzieht auch einen grausamen Bruch in der jüngeren südkoreanischen Gesellschaftsordnung nach. Er wurde zwei Jahre nach dem Unglück der Sewol-Fähre veröffentlicht, bei dem durch behördliche Inkompetenz 305 Menschen, darunter 250 Schulkinder, ums Leben kamen. Train to Busan zeigt einen korrupten und ineffizienten südkoreanischen Staat, der seine Bürgerinnen und Bürger im Stich lässt.

In der Fortsetzung Peninsula (2020) erinnert der Kampf gegen Zombies an den Koreakrieg. Yeon Sang-ho drehte außerdem ein animiertes Prequel, Seoul Station (2016), in dem die Armen und Ausgegrenzten die ersten Opfer der herannahenden Zombieplage sind.

Zwar sind diese Filme klassisch angelegt – wir sollen für die Heldinnen und Helden jubeln und die Zombies fürchten – doch letztere gewinnen immer wieder überraschend unsere Sympathie. Wir können uns selbst in den Zombiehorden wiedererkennen und sie als die menschlichen Kollateralschäden der Politik und Wirtschaft Südkoreas begreifen.

Koreanischer Zombie-Feudalismus

2017 kündigte Netflix seine erste koreanische Serien-Produktion Kingdom an. Für die Drehbuchautorin Kim Eun-hee war klar, dass sie Zombies für soziale Kritik nutzen würde: »Ich wollte eine Geschichte schreiben, die die Ängste und Befürchtungen der modernen Zeit widerspiegelt – aber durch die Linse einer romantischen Faszination für die historische Joseon-Epoche.« Auch sie ist der Ansicht, Zombies seien zwar furchterregende Kreaturen, verdienten aber dennoch Mitgefühl: »Ich möchte durch diese Monster die Menschen darstellen, die von den Mächtigen benachteiligt und ungerecht behandelt werden und mit Hunger und Armut zu kämpfen haben.«

Als Kingdom im Januar 2019 Premiere feierte, fokussierten sich die meisten Kritiken auf die gelungene Verschmelzung von koreanischem Historiendrama mit westlichen Zombie-Elementen. Die Kostüme und Kulissen sind detailliert und historisch akribisch nachgeahmt; die Kombination aus Historienfilm, politischen Intrigen und übersinnlichen Motiven kam bei Fans von Serien wie Game of Thrones besonders gut an. Kim zeigte sich später überrascht, dass die Drehbücher, die sie für ein koreanisches Publikum geschrieben hatte, sich als weltweiter Erfolg erwiesen.

»Noch heute kann man in Japan einen Schrein namens Mimizuka besuchen – einen Erdhügel, in dem mindestens 38.000 abgeschnittene Ohren und Nasen von koreanischen und chinesischen Gefangenen aufbewahrt werden.«

Der Zufall wollte es, dass Netflix die zweite Staffel im Jahr 2020 veröffentlichte – nur zwei Tage, nachdem die Weltgesundheitsorganisation Covid-19 als weltweite Pandemie eingestuft hatte. Rückblickend ist es wenig überraschend, dass eine Streaming-Serie über eine Seuche, die die Gesellschaft spaltet, während der Lockdowns ein ebenso begieriges wie gefesseltes Publikum fand.

Dabei befasst sich die Serie natürlich nicht direkt mit der damals gerade einsetzenden Pandemie: Kingdom handelt von der japanischen Invasion Koreas Ende des 16. Jahrhunderts. Diese Zeit- und Ortswahl war für die Autorin eine »sichere« und eher unverfängliche Möglichkeit, kontroverse Themen wie die japanische Kolonialzeit 1910–45, den Krieg 1950–53 und die Reihe autoritärer Regierungen, die Südkorea 1945–87 regierten, zu verarbeiten. Die Serie spielt einige Jahre nach den beiden japanischen Invasionen in Korea (1592/93 und 1597/98), die dort gemeinhin als Imjin-Krieg bekannt sind. In diesen Jahren kam es zu einer Vielzahl schwer vorstellbarer Schreckenstaten, die historisch belegt sind. Etwa 300.000 japanische Truppen zogen durch die Halbinsel und verübten Gewalttaten, die der Historiker Ben Kiernan als Genozid einordnet.

Die von Samurai angeführten Invasoren verfolgten eine (letztlich vergebliche) Kampagne der verbrannten Erde. Sie massakrierten und versklavten eine unbekannte Zahl von Koreanerinnen und Koreanern. Ähnlich wie in den späteren Gräueltaten während des Pazifikkriegs (1931–45) schändeten die japanischen Soldaten Leichen und verstümmelten ihre Gefangenen.

Menschliche Körperteile wurden in Salzlake eingelegt und als Kriegstrophäen nach Kyoto geschickt. Noch heute kann man in Japan einen Schrein namens Mimizuka besuchen – einen Erdhügel, in dem mindestens 38.000 abgeschnittene Ohren und Nasen von koreanischen und chinesischen Gefangenen aufbewahrt werden. An einer Stelle in Kingdom betreten die Hauptfiguren ein Bauerndorf, das von Menschen mit Verbänden im Gesicht bewohnt wird. Ihre Wunden werden nicht erklärt, und die Szene mag für ausländische Zuschauerinnen und Zuschauer daher ein Mysterium bleiben, das koreanische Publikum dürfte den historischen Bezug aber sicherlich verstehen. Die entstellten Gesichter symbolisieren das unverarbeitete Trauma aus mehreren Gewaltwellen in der koreanischen Geschichte.

Die Angstvorstellung der Elite

Im Westen kennen die meisten vermutlich keine oder nur wenige Worte auf Koreanisch, aber dank The West Wing könnte einigen zumindest das Konzept Han vertraut sein. Han kann als tief sitzender Groll in Bezug auf eine Kränkung oder emotionale Wunde verstanden werden, die weder geheilt noch gerächt werden kann. Die Kingdom-Autorin Kim erklärte, sie habe »versucht, das Han-Empfinden auszudrücken, in der Hoffnung, dass Menschen aus breiteren sozialen Schichten beziehungsweise diejenigen, die unterdrückt werden«, einen zentralen Platz in ihrer Geschichte finden.

Sowohl die Zombies, die zu ihrem Schicksal als Untote verdammt sind, als auch die von den japanischen Invasoren verstümmelten Bäuerinnen und Bauern verkörpern Han. Mit ein wenig Vulgär-Gramscianismus könnte man Han als die Frustration verstehen, die sich aus politischer Ohnmacht gegenüber der hegemonialen Macht ergibt. Wie Kim es ausdrückt: »Die unterste Klasse ist immer das größte Opfer falscher Politik. Ich möchte ihren Schmerz zeigen und durch diesen Schmerz die wahre Bedeutung von Politik und Macht anschaulich vermitteln.«

»Unter anderem wurden Kinder von verarmten Frauen, unverheirateten Müttern und Prostituierten ohne deren Zustimmung regelrecht entführt und zur Adoption freigegeben.«

Ohne zu viel von der Handlung von Kingdom zu verraten: In der ersten Staffel wüten die Zombies im Reich der koreanischen Joseon-Dynastie. Die Yangban, die konfuzianischen Feudalherren, versagen beim Schutz des einfachen Volkes: sie verbarrikadieren sich in ihren Festungen oder fliehen und lassen ihre Vasallen im Stich. Dass die Gesellschaft zusammenbricht, ist somit die Schuld der Yangban, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Diese Feigheit der feudalen Eliten spielt offensichtlich an auf die Gleichgültigkeit der heutigen südkoreanischen Eliten gegenüber dem Leid der Armen beziehungsweise ihrem aktiven Vorgehen gegen die Arbeiterklasse. Man fühlt sich daran erinnert, wie Parasite die Isolation und Entfremdung innerhalb der neoliberalen Gesellschaftsordnung kritisiert hat.

Natürlich versuchen ein paar Heldinnen und Helden, die Zombies zu bekämpfen. In der zweiten Staffel kommen sie einer Verschwörung auf höchster Ebene auf die Spur, bei der Mitglieder der königlichen Familie schwangere Frauen entführen, um ihnen nach der Geburt die Kinder zu stehlen, während die Mütter zu töten. Was wie eine Fantasy-Intrige im Stil von Game of Thrones erscheinen mag, ist eine weitere kraftvolle Anspielung auf das moderne Korea.

Der wahre Horror der Geschichte

Denn zwischen den 1960er und 80er Jahren adoptierten nordamerikanische und europäische Familien rund 200.000 südkoreanische Kinder. Adoptionsagenturen behaupteten, diese Kinder seien Waisen. Jüngste Untersuchungen haben jedoch zahlreiche Straftaten aufgedeckt. Unter anderem wurden Kinder von verarmten Frauen, unverheirateten Müttern und Prostituierten ohne deren Zustimmung regelrecht entführt und zur Adoption freigegeben. Einige Frauen wurden belogen, ihre Babys seien bei der Geburt gestorben. Auch versuchte man »gemischte« Kinder, die in der Nähe US-amerikanischer Militärbasen geboren wurden, aus dem Land zu schaffen.

Anfang der 1980er Jahre war eine regelrechte »Industrie« profitorientierter Adoptionsagenturen entstanden, die ein breites Spektrum an illegalen oder zumindest zwielichtigen Praktiken anwendeten. Auch Regierungsbeamte waren in diverse Fälle verwickelt. Die langjährige Praxis, als unerwünscht klassifizierte Kinder zu verkaufen, stand im Einklang mit der Eugenik-Politik der Regierung, die vor allem die Armen und diejenigen bestrafte, die als »nicht koreanisch genug« galten. Da diese dunkle Geschichte erst in den letzten Jahren ans Licht gekommen ist, stößt die Teil-Geschichte in Kingdom, in der die Eliten die Kinder der Armen stehlen, bei den koreanischen Zuschauerinnen und Zuschauern auf besondere Resonanz.

Kingdom: Ashin of the North, das Prequel aus dem Jahr 2021, erklärt indes die Ursprünge der späteren Zombieplage: Wir erfahren, dass der königliche Hof angesichts der scheinbar unaufhaltsamen japanischen Invasion eine neu entdeckte Pflanze einsetzte, um die koreanische Bauernschaft zu »zombifizieren« und auf die Eindringlinge zu hetzen. Nachdem diese Zombie-Armee die Angreifer tatsächlich besiegt hatte, vernichteten die Hofbediensteten die Zombies systematisch. Offensichtlich waren sie dabei aber nicht gründlich genug; einige Zombies überlebten und kehrten später zurück.

Diesen Erzählstrang können wir als Metapher für die Menschenrechtsverletzungen lesen, die unter der südkoreanischen Diktatur begangen wurden. Syngman Rhee, Park Chung-hee und ihr massiver staatlicher Terrorapparat waren bereit, im Namen antikommunistischer Säuberungsaktionen ihre eigenen Bürgerinnen und Bürger brutal zu opfern. Oft wird auf das später einsetzende südkoreanische »Wirtschaftswunder« verwiesen, um diesen Schrecken zu rechtfertigen. Kingdom hingegen warnt und erinnert uns, dass wir uns vor dem, was im Schatten der Macht lauert, stets in Acht nehmen sollten.

Michael G. Vann

Michael G. Vann ist Professor für Geschichte an der Sacramento State University und Co-Autor des Buches

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