Ein paar hundert Meter vom Osnabrücker VW-Werk entfernt haben Lotte und die anderen Aktiven der Kampagne »Zukunftswerk« an diesem Samstag ein paar leere Blechdosen aufeinandergestellt. Auf die oberste Dose ist ein Bild von VW-Chef Oliver Blume geklebt, auf eine weitere das Gesicht von Rheinmetall-Chef Armin Pappenberger. Und auch den ehemaligen Bürgermeister der Friedensstadt Osnabrück, den jetzigen Verteidigungsminister Boris Pistorius, kann man mit einem Tennisball umwerfen.
Ein paar Hundert Meter weiter ist auf dem Werks-Turm der blaue Kreis mit den Lettern V und W gut zu erkennen. Doch wie zuvor der Schriftzug des alten Autobauers Karmann könnte auch das Volkswagen-Emblem bald verschwinden.
Dem Osnabrücker VW-Werk mit seinen 2.300 Beschäftigten droht Ende 2027 die Schließung. Die aktuelle Fahrzeugproduktion läuft aus und Volkswagen hat keinen Folgeauftrag angekündigt. Dafür hat der Rüstungskonzern Rheinmetall Interesse an der Übernahme. Auch Volkswagen-Chef Blume zeigte sich offen für die Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie. Einen konkreten Plan gibt es nicht. Aber allein die Ankündigung hat etwas in Bewegung gesetzt.
»Wenn die hier zwei Wochen Stuhlkreis machen würden und diskutieren, was sie produzieren wollen, da würden gute Sachen rauskommen.«
Wintermarkt aus Protest
Aus der Belegschaft ist an diesem Samstag niemand gekommen. »Ich finde das nicht verwunderlich an so einem kalten Januartag«, sagt Lotte. »Aber wir kennen das auch aus Wolfsburg. Viele haben auch wirklich Angst, gesehen zu werden, wenn sie zu sowas dazukommen.«
Mit ihrem rosa Käppi und der pinken Hose fällt die 31-Jährige im winterlichen Grau auf. Sie hat gute Laune, obwohl sie heute eine so kleine Runde sind. Die Demo, die sie zum Werkstor veranstaltet haben, war ein Meilenstein für die Kampagne. Knapp fünfzig Menschen sind da, zwischen den vier Pavillons, vor denen eine Handvoll Bierzeltgarnituren stehen. Es gibt warmen Eintopf und aus einem mobilen Verstärker dringen aufdringlich laute Gitarrenakkorde. Hinter dem Sänger mit grauem Vollbart und Pluderhose hängt ein Transparent. »Gemeinsam entscheiden, was hier gebaut wird«, ist darauf zu lesen. Auf der menschenleeren Kreuzung stehen zwei Kastenwagen der Polizei, als müssten sie das Werk vor der kleinen Gruppe auf der anderen Straßenseite schützen.
Eigentlich ist Lotte Architektin und Stadtplanerin, mittlerweile jedoch Vollzeit-Aktivistin und seit fünf Jahren ist ihr Fixpunkt Volkswagen. In Wolfsburg, wo das Herz des Konzerns schlägt, hat sie zwei Jahre lang für eine ökologische Verkehrswende und den Erhalt von Arbeitsplätzen gekämpft – bis die Interessensbekundung von Rheinmetall sie nach Osnabrück zog. Zusammen mit anderen Aktiven ist sie für die Kampagne in die drittgrößte Stadt Niedersachsens gezogen. »Viele Menschen haben ein Unbehagen, wenn sie auf die Militarisierung und Zeitenwende schauen,« sagt sie bestimmt. »Es ist wichtig, Kristallisationspunkte zu schaffen, die diesem diffusen Gefühl eine Form geben.«
Für sie alle auf dem kleinen, sporadischen Wintermarkt im Industrie-Stadtteil Fledder ist das hier der Ort, an dem sich die Zukunft der deutschen Industrie entscheidet. Es geht darum, ob die Konversion in Richtung ökologischer Transformation oder militärischer Aufrüstung steuert. Und um gesellschaftliche Alternativen, um Mitbestimmung in den Betrieben und um gute Arbeit.
»In Görlitz haben die Leute gesagt: ›Wärt ihr mal vor zwei Jahren gekommen.‹ Hier sind wir jetzt genau an diesem Punkt.« Görlitz ist die Blaupause – das Szenario, das sie hier verhindern wollen. Statt Züge rollen dort bald Panzer vom Band. Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS hat das sächsische Alstom-Werk übernommen.
PAYWALL
»Der ganze Witz an dieser Zeitenwende ist ja nicht, dass das eine zukunftsweisende Industrie ist, sondern dass die Bundesregierung beschlossen hat, jetzt 200 Milliarden Euro reinzustecken.«
Lotte spricht über Produktionszahlen, Schließtage und technische Abläufe so, als arbeite sie selbst im Konzern. Vor Weihnachten sei hier die Produktion schon auf knapp 20 Prozent heruntergefahren worden. Dabei hat der Standort wahnsinniges Potenzial. Anders als in Wolfsburg arbeiten hier Teams an einzelnen Fahrzeugen, nicht im 59-Sekunden-Takt eines Massenbands. Es gibt Erfahrungen mit Kleinserien und komplexen Fertigungsprozessen. Alles, was es für eine schnelle Umstellung der Produktion braucht. In einer Testphase wurden bereits elektrische, teilautonome Kleinbusse gebaut – Fahrzeuge, die gerade im ländlichen Raum Lücken im öffentlichen Nahverkehr schließen könnten.
»Es ist alles in den Schubladen. Sie können alles jeden Moment rausziehen. Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung bei VW und die Frage: Wofür gibt es Geld? Und der ganze Witz an dieser Zeitenwende ist ja nicht, dass das eine zukunftsweisende Industrie ist, sondern dass die Bundesregierung beschlossen hat, jetzt 200 Milliarden Euro reinzustecken.«
Rüstungs-Alternativlosigkeit
Volkswagen steckt, wie die gesamte Automobilindustrie, in einer tiefen Krise. Konzernchef Oliver Blume steht unter Druck, einen glaubwürdigen Sparkurs vorzulegen. Bis 2028 sollen die Kosten um rund 20 Prozent sinken. 35.000 Stellen werden bis zum Ende des Jahrzehnts abgebaut. In mehreren Werken wurden die Kapazitäten bereits reduziert und seit der Aufkündigung der Beschäftigungssicherung schließt das Management auch Werksschließungen nicht mehr aus.
Die Rüstungsindustrie hingegen boomt. Rheinmetall verzeichnet Rekordaufträge und hat durch strategische Übernahmen seine Produktionskapazitäten massiv erweitert – zuletzt um mehrere Werftstandorte im Norden. Die Übernahme in Osnabrück knüpft Konzernchef Armin Pappenberger an Großaufträge des Bundes. Solange diese nicht vorliegen, verfüge man über ausreichende eigene Kapazitäten.
Für die Militarisierungsgegner ist das ein strategisches Poker. Je länger Unsicherheit herrsche, desto größer werde der Druck, Arbeitsplätze zu sichern. Und damit auch die Bereitschaft, Rüstungsproduktion als alternativlos zu akzeptieren. Wenn Rheinmetall nicht kommt, dann ein anderes Rüstungsunternehmen, oder der Standort wird dicht gemacht, sagen sie.
Volkswagen und Rheinmetall produzieren über die VW-Tochter MAN bereits seit 2010 zusammen militärische Lkw und gepanzerte Fahrzeuge. Beide Firmen sehen Potenzial darin, Joint-Venture-Projekte wie dieses auszubauen.
Die Gewerkschaft und der Frieden
An der Zeltstange über Lotte weht eine kleine, einsame IG-Metall-Fahne. Es wirkt wie eine gezielte Provokation, denn auch von der Gewerkschaft ist heute niemand hier. Dabei sind über 90 Prozent der VW-Beschäftigten in Deutschland IG-Metall-Mitglieder.
»Mit einer kämpferischen Gewerkschaft hat das hier nichts zu tun«, kritisiert sie. »Ich habe eher das Gefühl, dass die wie Lämmer zur Schlachtbank laufen gerade. Für die bedeutet Gewerkschaft Co-Management.« Die Gewerkschaft müsse ja nicht alle ihre Grundsätze teilen, aber eigene Vorschläge, einen Plan, das erwarte sie schon. Stattdessen würde das Schicksal der Beschäftigten vollkommen in die Hände des VW-Chefs gelegt.
Anders als vor fünfzehn Jahren. Nach der Insolvenz des Traditions-Autobauers Karmann 2009 stand der Standort schon mal vor dem Aus. Die Übernahme durch VW erfolgte damals, so sagt es Lotte, »zähneknirschend«. Es war das Ergebnis eines massiven Standortkampfes, getragen von Belegschaft und Gewerkschaft und durch Druck der Landesregierung unterstützt. Dieses kämpferische Moment von damals fehlt ihr heute. »Das Zynische ist ja, dass wir in Wolfsburg von der Belegschaft immer gehört haben: Unsere Arbeitsplätze sind sicher. Und dann wurde im Herbst 2024 die Jobgarantie aufgekündigt.«
Die IG-Metall sieht das anders. Fürs Erste sei es geglückt, Werksschließungen, Massenentlassungen und Einschnitte beim Lohn abzuwenden. Es sei jetzt an Volkswagen, für den gesamten Konzern und insbesondere für Osnabrück eine tragfähige Zukunftsstrategie vorzulegen. Die Spekulationen über einen Einstieg in die Rüstungsindustrie würden die Belegschaft zermürben. Mit einer kämpferischen Kundgebung im Dezember hätten sie dieser Forderung laut Ausdruck verliehen.
»Wenn es nur um Arbeit geht, dann können wir jeden Tag Bälle aufpumpen und zu Feierabend die Luft rauslassen, dann haben wir auch jeden Tag Arbeit.«
Eine friedenspolitische Verantwortung ist Teil des gewerkschaftlichen Selbstverständnisses, betont die IG Metall. Zugleich befinde sich die Industrie in einem doppelten Umbruch zwischen einer tiefgreifenden Transformation der Auto- und Zulieferbranche und dem Wachsen von Verteidigungs- und Rüstungssektor. Den drohenden Wegfall von Arbeitsplätzen könne die Umstellung der Produktion aber nicht auffangen. Die Branchen funktionierten zu unterschiedlich. Dass ganze Betriebe von ziviler auf Rüstungsproduktion umgestellt würden, sei die absolute Ausnahme. Statt einseitig auf Rüstung zu setzen, bräuchte es deshalb massive Investitionen in Zukunftstechnologien.
Ein positives Beispiel ist die Transformation des Standorts von Continental in Gifhorn. Auf Druck einer gut organisierten Belegschaft wird dort eine zivile Zukunftslösung aufgebaut. Künftig fertigt Stiebel Eltron Komponenten für Wärmepumpen. Nur ein kleiner Teil der Beschäftigten sei, so die IG Metall, zu Rheinmetall ins Werk nach Unterlüß abgewandert.
Auch in den Ford-Werken in Köln beziehen Belegschaft und Gewerkschaft klar Position. Bei einer Vollversammlung im Januar positionierten sie sich deutlich gegen eine Umstellung ziviler Produktion auf Rüstungsfertigung. Diese sichere keinen Frieden, sondern bereite neue Konflikte vor. »Wer uns damit Arbeitsplätze verspricht, versucht auf üble Weise die Existenzängste der Belegschaften in der Autoindustrie auszunutzen«, heißt es in einer Erklärung. »Aufrüstung und Kriegswirtschaft sind gegen die Interessen der Kolleginnen und Kollegen und unserer Familien und widersprechen unseren gewerkschaftlichen Zielen.« Sie fordern auch den IG-Metall-Bundesvorstand auf, sich klar gegen einen Umbau zu stellen.
Die Blutspur von VW
Thorsten Donnermeier ist an diesem Tag aus Kassel angereist. Nach über vierzig Jahren im dortigen Werk empfinde er Volkswagen irgendwie auch als seinen Betrieb, sagt er. »Wenn Osnabrück kippt, können wir die Bewegung nicht aufhalten.« Über Jahrzehnte hat er mit Kollegen aus China und Russland am gleichen Produkt gearbeitet. Jetzt Rüstungsgüter zu produzieren, die im Zweifel gegen sie gerichtet werden, das sei völlig absurd.
Er hat Verständnis dafür, wie schwierig es vor Ort sein muss, wenn unklar ist, wo das Geld für die Miete künftig herkommen soll. Immer wieder standen die Aktivistinnen und Aktivisten in den letzten Wochen zum Schichtwechsel vor dem Werkstor. Mit den Beschäftigten ins Gespräch zu kommen, ist schwierig. Gerade in der Rüstungsindustrie würde ganz genau hingeschaut, wer eingestellt wird. »Wenn man jetzt hier kämpft, riskiert man natürlich auch seinen Job.«
»VW zieht eine Blutspur hinter sich her«, sagt Thorsten Donnermeier, als er für seinen Redebeitrag zum Mikrofon greift. »Und deswegen sollten wir dagegen aufstehen, auch innerhalb der Betriebe.« Die Blutspur, das ist die Kriegsvergangenheit des Konzerns. Das Werk in Wolfsburg wurde ab 1938 im Auftrag Adolf Hitlers aufgebaut, finanziert unter anderem aus enteignetem Gewerkschaftsvermögen, und produzierte im Krieg vor allem militärisches Gerät und Fahrzeuge wie den VW-Kübelwagen. Zehntausende Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter mussten dort unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten.
Nach 1945 übernahmen die Briten das Werk und knüpften seine Neuordnung an politische Auflagen. Daraus entstand das Volkswagen-Gesetz, das eine breite Streuung der Anteile und staatliche Kontrolle sichern sollte, damit ein Konzern dieser Größe nicht erneut unkontrolliert in die Kriegsproduktion gerät. Bis heute hält das Land Niedersachsen 20 Prozent der Stammaktien und verfügt damit über eine Sperrminorität bei grundlegenden Entscheidungen. Das Land nutze seine Rolle als größter Anteilseigner verantwortungsvoll, heißt es auf Nachfrage. Gleichzeitig träfe das Unternehmen Entscheidungen über konkrete Produkte, nicht die Politik. Man schließe keine Option pauschal aus. Im Vordergrund stehe, industrielle Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze an den Standorten zu erhalten.
Arbeit mit Sinn
Zwei Stunden bevor Thorsten Donnermeier sich am Montagmorgen zum Werkstor aufmacht, hat er statt eines Mikrofons einen Milchkaffee in der Hand. In einem Café am Hauptbahnhof, ein paar Gehminuten vom Werk entfernt, erklärt er, warum die Arbeiterinnen und Arbeiter unbedingt über die Zukunft des Betriebs mitentscheiden sollten. »Wenn die hier zwei Wochen Stuhlkreis machen würden und diskutieren, was sie produzieren wollen, da würden gute Sachen rauskommen«, sagt der 57-Jährige. Es sei alles da an diesem Standort, von der Entwicklung bis zur Produktion.
Donnermeiers Leben und Volkswagen sind tief miteinander verwoben. Seit 1984 folgt der Alltag des gelernten Betriebsschlossers den Schichten des Autokonzerns. Schon sein Vater arbeitete über dreißig Jahre lang am Band und als Maschinenführer in Kassel. Donnermeiers Körper trägt sichtbare Spuren der vielen Jahre in der Gießerei. Er hat zwei Hörgeräte und einen kaputten Rücken. Mittlerweile arbeitet er in der Qualitätssicherung, alles andere geht nicht mehr. Für ihn ist das keine besondere Geschichte. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen haben ähnliche gesundheitliche Probleme. Nichts Außergewöhnliches oder etwas, womit man Mitleid haben müsste, meint er.
»Wir sind 2.000 Leute da drin und wir haben alle Schiss. Wir machen den Scheiß nicht nochmal durch.«
»Hunderttausend Arbeitsplätze werden wegrasiert. Das wird dargestellt, als sei es ein Naturphänomen.« Natürlich sei Beschäftigungssicherung das Allerwichtigste, aber der Einstieg in die Rüstungsproduktion der falsche Weg. »Wenn es nur um Arbeit geht, dann können wir jeden Tag Bälle aufpumpen und zu Feierabend die Luft rauslassen, dann haben wir auch jeden Tag Arbeit. Man sollte sich schon Gedanken darüber machen, was eine sinnvolle Tätigkeit ist.«
Es gehe darum, was gebraucht wird. »Weltweit gibt es Überkapazitäten«, sagt er. »Diese Standortpolitik bringt uns da nicht weiter.« Stattdessen müsse man darüber nachdenken, wie Arbeit verteilt wird. Eine Vier-Tage-Woche sei eine Möglichkeit. Dann bleiben auch mehr Kollegen gesund. Weniger produzieren, aber die vorhandene Arbeit auf mehr Schultern verteilen. »Wir verdienen ja unser Geld nicht durch Automobile oder durch Rüstungsproduktion. Letztendlich verdienen wir unser Geld, weil wir unsere Arbeitskraft verkaufen.« Ob ein Bauteil später in einen Polo, einen Touareg oder in einen Zug eingebaut werde, sei den Kolleginnen und Kollegen völlig egal. Über die Produkte mitzuentscheiden, das sei ein Kampf, der erst noch geführt werden müsse.
Die Hauptsache
Die Pavillons in der Karmannstraße sind verschwunden. Es ist kurz nach 13 Uhr und Schichtwechsel. Aus dem Werk setzt sich ein Strom gelber Jacken in Bewegung. Müde Gesichter und schnelle Schritte steuern auf den Parkplatz zu. Wer hier vorbeikommt, will nach acht Stunden Schicht vor allem eins: nach Hause.
Thorsten Donnermeier versucht, mit den Arbeitern ein Gespräch zu beginnen. Er spricht sie im Vorbeigehen an und stellt sich als Kollege aus Kassel vor. Einen fragt er im Vorbeigehen, ob er weiß, wie es weitergeht, was sie in der Belegschaft diskutieren. Der Mann schaut genervt und eilt weiter. Er will nicht antworten. Donnermeier probiert es erneut, springt von einem zum nächsten, aber niemand bleibt stehen. Ein anderer mustert die Szene skeptisch und zieht an seiner E-Zigarette: »Mein Job ist mir wichtiger, als hier irgendwas zu sagen«, kommentiert er und geht.
Ein Mann in schwarzer Jacke, mit grauen Haaren, vielleicht Mitte vierzig, bleibt schließlich stehen. Er ist etwas kleiner, aber seine Stimme ist laut und aufgebracht. »Was wollt ihr denn machen?«, ruft er. »Wir sind 2.000 Leute da drin und wir haben alle Schiss. Wir machen den Scheiß nicht nochmal durch.« Er spricht schnell, atmet schwer. »Wir müssen alle unsere Kinder irgendwie durchbringen.« Er schüttelt den Kopf. »Wenn wir’s nicht machen, dann macht’s ein anderer. Der Pappenberger stellt sich doch sonst seine eigene Fabrik hin. Der hat genug Kohle gekriegt.«
So richtig gut zu sprechen sei die Belegschaft nicht auf die Aktionen der Aktivistinnen. »Ich sag’ den Kollegen immer: Lass die doch demonstrieren. Die machen nichts, außer dass sie hier stehen und nach unserer Meinung fragen.« Er sei ja eigentlich auf der Seite der Demonstrierenden, aber arbeitslos werden, das will hier eben niemand. Alles, was sie über die Situation wissen, haben sie aus den Medien, vom Konzern kommt nichts. Ein Mann in blauer Arbeitsmontur, die schwarze Strickmütze tief ins Gesicht gezogen, sagt nur: »Hauptsache, es geht weiter.«